Die Liebe zum Motorrad — Eine Biografie


Liebe Freunde,

wie fing das eigentlich alles an? Wie ist Friedbert zum Motorradfahren gekommen? — Eine Geschichte mit Unterbrechungen — aber auch eine Liebesgeschichte.

Die frühen Jahre

Alles fing wohl so an: als “Landei”, gerade noch in Bayern, in der Nähe der ehemaligen innerdeutschen Grenze aufgewachsen, ist man als Jugendlicher schon sehr eingeschränkt. Okay, man fuhr damals Rennrad und war sicherlich fitter als heute. Bereits der Weg zum Gymnasium war gute 10 km lang. Da brauchte man auch die Kondition, um abends noch Freunde zu treffen. Ansonsten war man auf den Vater angewiesen, der einen mehr oder minder bereitwillig chauffierte.

Nein, ein Mofa mit 15 wollte ich nie. Es war die Zeit der 50er. Kleinkrafträder mit 80 km/h. Zündapp, Herkules und Kreidler hatten die “Bikes” der Stunde. Star am Himmel war wohl die Zündapp KS 50 mit 4,8 PS bei den frühen 2-Taktern, bis hin zu  6,25 PS für das letzte wassergekühlte Modell. Wer ein solches hatte, der war der Champ am Land. Es gab sogar Modelle, die — wohl auf Grund eines technischen Defekts — nicht bei 80 km/h abregelten. Verkehrsaufkommen kurz vor der innerdeutschen Grenze lag nahe bei Null. Auf der Autobahn A9 konnte man zwischen Hof West und der Landesgrenze Rennen fahren, da am Grenzübergang in die DDR ohnehin für 99% der Fahrzeuge Schluß war.

Endlich 16. Die Zeit der Leichtkrafträder war angebrochen. Eine neue Generation von Mopeds, die ebenfalls baulich bei 80 km/h abgeregelt waren, aber nun bis 80 ccm Hubraum hatten. Neue Mopeds hieß auch neue Versicherungsklassen und diese waren im ersten Jahr wesentlich billiger, als die unfallträchtigen 50er Kleinkrafträder. Auch dieser Vorteil sollte rasch schwinden. Ein Leichtkraftrad musste her und der Vater war schnell überzeugt, nervten doch auch der Taxiservice für den eigenen Sohn.

Meine erste Honda

Star bei uns in der Stadt war 1981 wohl die wassergekühlte Zündapp K 80 mit 9 PS, der Nachfolger der KS 50. Es war aber auch die Zeit in der die “Japaner” aufkamen. Honda drängte auf den deutschen Markt. Nicht nur mit Autos. Die Liebe zum Motorrad    Eine BiografieSo ergab es sich, dass mein erstes Moped mich bereits an eine wundervolle Marke band. Ich machte den damals üblichen “1b” Führerschein (Motorräder bis 80 ccm und einer Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h). Ja, mein Führerschein ist auch heute noch grau, fast Schulheft groß, spricht von den Fahrzeugklassen 1 und 3 und hat aber auch gar nichts mit einer Art Scheckkarte zu tun. Nun schlachtete ich mein Sparschwein und zusammen mit der Unterstützung meiner Eltern kaufte ich meine erste Honda MBX 80. Wow, was für ein Gefühl. Endlich unabhängig!

Damals gab es auch noch keine Digitalkameras. Fotografieren war noch analog und schrieb sich seiner Zeit noch mit ‘ph’. Mein Heimcomputer, der Commodore VC-20 hatte stattliche 11 kByte Hauptspeicher, 3,5 kByte eingebaut und 8 kByte über eine Speichererweiterung. Der C-64 mit 64 kByte kam erst ein Jahr später auf den Markt. Heute legt meine Digitalkamera etwa die 1000-fache Datenmenge bei einer einzelnen Aufnahme ab. Daher muss ich Euch mit einem Youtube-Video vertrösten.

Flüssigkeitsgekühlter 1-Zylinder-Motor; Getrenntschmierung, d.h. man konnte Benzin und Motoröl getrennt tanken, Kickstarter, 79 ccm, 9,5 PS, 11,7 Nm. — Eine Rakete! Ich hatte natürlich eine schwarze MBX 80 — das war cooler.

Ich erinnere mich noch heute an die erste zu schnelle Kurve, bei der ich mich mit meiner kaum zwei Wochen alten Maschine, noch dazu mit Sozia, schon im Graben liegen sah. Ich habe das leichte Moped noch knapp nach innen gedrückt, bereits den Schotter des nahenden Banketts gespürt und gerade noch die Kurve bekommen. Bis heute bin ich auf Asphalt sturzfrei und bei den immer höher werdenden Geschwindigkeiten mit heutigen Motorradern der 1000 ccm Klasse, möchte ich das auch bleiben. Beim Offroad-Fahren ist das natürlich anders und man legt sein Bike auch schon mal ab. Bei niedrigeren Geschwindigkeiten und unter Einschätzung aller Risiken ist das meist auch kein Problem. — Aber die Liebe zum Offroad-Fahren und Enduro-Wandern entwickelte sich erst später.

Die motorradlose Zeit

Die Liebe hielt bis ich 18 wurde. Das heißt, eigentlich hätte sie noch länger gehalten, wenn ich nicht mit dem 3er-PKW-Führerschein auch gleich noch den 1er-Motorradführerschein gemacht hätte. Ja, damals gab es noch keinen Stufenführerschein. Der 1er war offen. Also gleich mit 18 auf eine ungedrosselte Maschine.

Theoretisch zumindest. Denn als Schüler sitzt das Geld nicht so locker und die Entscheidung “Auto oder Motorrad” ging damals zu Ungunsten des Motorrads aus. Wahrscheinlich hatte mich auch der Motorradvirus noch nicht wirklich gepackt. Die MBX 80 war wohl noch zu sehr ein notwendiges Fortbewegungsmittel, das man eben schon mit 16 fahren konnte und nicht die große Freiheitsliebe, die erst später eingesetzt hat.

Es war die Zeit der Yamaha RD 250 und RD 500. Die Zweitakter wurden immer stärker und drehten unter dem unerträglichen Ausstoß des verbrannten Zweitaktöls zu immer höheren Spitzendrehzahlen und -leistungen. Mit Vierzylinder-Zweitaktmotor und 500 ccm war die RD 500 LC bei ihrer Einführung das stärkste Großserienmotorrad. Friedbert war interessiert, aber alles andere als begeistert. Viel cooler war die Yamaha XT500, eine Einzylinder-Enduro die eigentlich schon seit 1976 gebaut wurde.

Aber wie gesagt, die Entscheidung fiel für ein “wetterunabhängiges Langstreckenfahrzeug”, das “Goldwägelchen”, einen alten Opel Rekord 2.0 mit einer undefinierbaren Metalliclackierung aus, den ich gegen meine Honda MBX 80 “eintauschte”.

Der Wiedereinstieg

So blieb es dann einige Zeit: ich war motorradlos glücklich, bis ich als braver, immer noch nahezu “mittelloser” Student eine Suzuki DR 600 unter den Hintern bekam. Endlich eine richtige Enduro: Viertakt-Einzylinder, 45 PS, 47 Nm. Ich durfte mir das Bike regelmäßig leihen und bin oft gefahren, aber es war einfach nicht mein eigenes. Das fühlt sich einfach anders an. Bin ich nicht doch ein Motorradfahrer? Ich erkenne im Nachhinein, wie sehr ich meine eigene kleine MBX 80 geliebt hatte, auch wenn sie doch zunächst mehr ein Fortbewegungsmittel war. Ein eigenes Motorrad musste her! — Eine Enduro.

Es war die Zeit der großen Twins, die Zeit der Reiseenduros. Yamaha hatte seine Super Ténéré XTZ 750, benannt nach der bekannten Sandwüste in der südlichen Sahara. Ténéré bedeutet in der Sprache der Tuareg “Land da draußen” oder eben einfach “Wüste”. Ein Super-Wüstenschiff also? Honda hatte die Africa Twin XRV 750 dagegen zu setzen. Selbst wenn man heute noch Testberichte über die Africa Twin liest, bekommt man den Eindruck, dass dieses Motorrad sogar im schwierigsten Gelände fast selbständig fährt. Es war klar, eine Africa Twin sollte es ein.

Africa Twin

1993 war es so weit. Ich kaufte eine 3 Jahre alte Africa Twin XRV 750 RD04. Der Klassiker und unerreicht. 60 PS, 55 Nm, 220 Kilo fahrbereit. Mit den 23 Litern Tankvolumen schafft man spielerisch 350 km und auch mehr. Da benötigt man keine Tankuhr. Die Liebe zum Motorrad    Eine BiografieDie RD04 ist wohl die beste Africa Twin die es je gab. 1990 war sie so weit entwickelt, dass eigentlich keine Kinderkrankheiten mehr vorhanden waren. Sie war robuster und stärker als die Vorgängermodelle. Auch wurde noch nicht so sehr auf Produktionskosten und deren Einsparpotential wie bei den späteren Modellen RD07 und insbesondere RD07a geachtet. Eine Africa Twin XRV 750 RD04 ist eigentlich für die Ewigkeit gemacht.

Die Liebe zum Motorrad    Eine BiografieIch habe dieses Motorrad geliebt und in allen Jahren selbst gewartet. Die robuste Konstruktion und der Vergasermotor waren stets zuverlässig. Abgesehen von Verschleißteilen und Batterien ist die Twin einfach immer durchgelaufen. Auch im Vergleich zu den heutigen, teils ruppigen bis nervösen Einspritzern, lief die Twin immer ruhig, sanft und gleichzeitig stark und zuverlässig. Ein wahrer Schatz!

Auch heute noch wissen viele Enduristen und Wüstenfahrer, welchen Wert ein derart zuverlässiges Motorrad hat. Spezialanbieter wie u.a. Africa Queens, haben bis vor kurzen immer noch großteils auf die robuste Africa Twin gesetzt und sogar modifizierte Modelle mit höherer Reichweite und Leistung auf Basis eines aufgebohrten 750er Motors angeboten.

Ich bin diesen Schatz über 12 Jahre lang gefahren und wollte nie ein anderes Motorrad. In den ersten Jahren bin ich 18.000 km, dann 15.000 km pro Jahr gefahren. Viele Touren in Italien. Umbrien ist eine schöne Gegend zum Offorad-Fahren. Mit dem zu Ende gehendem Studium und der Notwendigkeit Geld zu verdienen, um weitere Reisen zu finanzieren, blieb leider auch immer weniger Zeit für das Motorradfahren und meine Jahreskilometerleistungen sanken zum Teil so weit, dass ich die Twin beim nach Hause kommen mehr gestreichelt habe, als ich sie wirklich gefahren bin. Eine traurige Zeit…

Die Post-Africa Twin Ära

2005 kam dann eine harte Zäsur. Der TÜV bemängelte die Abgasqualität. Mein Motorrad war gerade ein Jahr zu jung, um nicht die neuen Abgasvorschriften erfüllen zu müssen. Einem 1989er Modell wäre das erspart geblieben. Dann hätte ich aber eine RD03 mit nur 650 ccm. Nicht das gleiche. Die Africa Twin wurde seit 2000 also seit 5 Jahren nicht mehr gebaut und auch die typischen Zubehörlieferanten zogen sich bereits aus dem Geschäft mit Africa Twin Ersatzteilen zurück. Ich hatte bereits eine abgelaufene TÜV-Plakette und benötigte eine neue Auspuffanlage. Es gab nur noch Honda Originalteile: 750€ zzgl. Steuer und Lieferung… Verzweiflung!

“Ich fahre so wenig. Brauche ich ein Motorrad, das nur vor meiner Tür steht, damit ich es beim nach Hause kommen streicheln kann?” Dachte ich bei mir. Die Gedanken an die Aufgabe meines Hobbys waren jedoch gänzlich unerträglich. Offensichtlich war ich nun ein wirklicher Motorradfahrer. Ab was tun? Etwa 1000€ bedeuteten den wirtschaftlichen Totalschaden. Aber Euthanasie kommt nicht in Frage!

Ich hatte mich nach gebrauchten Auspuffanlagen umgesehen, aber viel besser als meiner waren diese auch nicht. Somit habe ich begonnen auch nach Alternativen zu suchen. Aber was für ein Motorrad. Honda hatte versucht die Varadero als Nachfolgerin der Africa Twin zu lancieren. Eine Abkehr vom Enduromarkt. Offensichtlich erwartete man zu geringe Verkaufszahlen von Enduros. Die Varadero war keine alternative zur Africa Twin. Zu schwer und im Gelände zu unbeweglich, da kann ich mir ja gleich einen Tourer kaufen.

Dann war mir eine Maschine unter den vielen Angeboten aufgefallen. Eine Italienerin. Eine Aprilia. 1000 ccm. 98 PS. 97 Nm. Etwas hochbeiniger. Sehr bequem. Aber keine Enduro. Drei Jahre alt. Im ersten Jahr noch von einem jungen Familienvater gefahren, um dann zwei Jahre in der Garage zu stehen. Sie sah aus wie neu. Ja Italiener haben schon Geschmack und eine Hand für Design.

Ich kaufte mir die blaue Aprilia ETV 1000 Capo Nord. Es war das Modell ohne ABS aber schon mit Katalysator. Von der schon etwas gealterten Africa Twin kommend begeisterte mich der massive aber nicht zu schwere Aluminiumrahmen, der gleichzeitig einen entscheidenden Teil des Designs ausmachte. Die Liebe zum Motorrad    Eine BiografieDer Einspritzer fuhr sich komplett anders. Kraftvoller. Wir hatten dann aber einige Hürden zu überwinden. Aprilia baut eben keine Enduros. Den gutmütigen Vergasermotor der Africa Twin konnte man eigentlich bei jeder Drehzahl fahren. Einmal im fünften Gang konnte man den ganzen Tag fahren ohne anzuhalten oder zu schalten. Damit war jetzt Schluss. Die Capo wollte immer im richtigen Drehzahlband gehalten werden und ich dachte anfangs ich bekomme eine stramme linke Wade von der Schalterei. Vor der Kurve runter schalten. Gas aufmachen. Danach wieder hoch schalten. Bei niedrigen Drehzahlen kaum zu fahren, kam bei hohen, von der Africa Twin ungewohnten Drehzahlen plötzlich ein fauchen vom Motor und das Bike zog durch.

Die Liebe zum Motorrad    Eine BiografieEs dauerte eine Zeit, bis wir uns aneinander gewöhnt hatten, aber dann entstand eine große Freundschaft. Nicht ganz so wie bei der Africa Twin, aber ich habe das Motorrad auch geliebt und damit wurde es Zeit meine erste große Liebe, die XRV 750 RD04 wegzugeben. Schweren Herzens hatte ich inseriert, eine Africa Twin verkaufen zu wollen. Nachdem kein Händler das 15 Jahre alte Motorrad in Zahlung nehmen wollte, wäre ich über 800 Euro bereits glücklich gewesen. Sie hing mir dann aber doch am Herzen und ich wollte 1000 Euro verlangen. Okay, jeder will runterhandeln. Schreiben wir mal 1200 Euro in die Anzeige.

Ich war riesig erstaunt. Genau das Gegenteil ist passiert. Der erste Anrufer war ein Africa Twin Fan aus Stuttgart. Er sagte nur, er komme sofort mit dem Geld und würde Sie mitnehmen. Ich versuchte ihn in der Leitung zu halten, um mitzuteilen, dass der Auspuff defekt ist und kein TÜV vorhanden. Das mache nichts. Er habe zwei andere Twins zu Hause. Er wolle sie nur kurz anlassen und mitnehmen. Ja, stopp, und sie ist kein Garagenfahrzeug und stand auch schon mal draußen. Das mache nichts. Er fahre jetzt los und sei spätestens in drei Stunden bei mir.

Kaum hatte ich aufgehängt, klingelte das Telefon schon wieder und so sollte es auch bleiben. 1200 Euro für ein 15 Jahre altes Motorrad ohne TÜV ist offensichtlich noch zu billig!? Naja, es ist halt eine Africa Twin. Den Höhepunkt bildete ein Anrufer aus Hannover. Er lasse das Motorrad abholen. Ich sagte nur, ich habe sie bereits einem anderen versprochen, der schon unterwegs ist. “Aber Du hast sie doch noch?” hörte ich nur und “Ich biete 200 Euro mehr.”

Ich stehe zu meinem Wort und habe meine Africa Twin an den Stuttgarter Schrauber verkauft und auf die 200 Euro zusätzlich verzichtet. Ich glaube es war der richtige Käufer. Für ihn war es nicht der Preis, er wollte eine Africa Twin XRV 750 RD04. Unglaublicher Weise war ich unheimlich traurig über den Verkauf, hätte fast geheult und das obwohl ich schon mein neues Motorrad im Hof stehen hatte. Rückblickend muss ich sagen, ich hätte die Africa Twin nicht verkaufen sollen. So wie an ihr bin ich an keinem anderen Fahrzeug gehangen.

Ich bin die Capo Nord gerne gefahren. In München sah man sie nur wenig. Ich liebe individuelle Motorräder. Nichts gegen BMW, sicher ein gutes Motorrad, aber gefühlt sieht man in München ja fast nur noch BMW 1200 GS herumfahren. Naja und dann begannen so allmählich die ersten Problemchen. Design: außen hui! Innen? Schick war sie ja schon, aber als die Aprilia so viel Character entwickelte, dass eigentlich sie bestimmte wann gefahren wird, war der Spaß schon kleiner geworden. Die Elektronik hatte immer mal wieder Probleme. Eine echte Italienerin.

2009 fuhr ich dann mir einem Kollegen auf meiner Capo Nord in Richtung Seealpen. Und da, auf dem großen Sankt Bernhard, sah ich sie dann: eine schwarze Honda Africa Twin RD07 und darauf eine große, langbeinige, rothaarige, auffallende Endurista — in Mitten lauter 1200 GS und Straßenmaschinenfahrer. Wie passt denn das zusammen? Ich sprach sie nicht an, sagte nur kurz ein Paar Worte über die Africa Twin und fuhr weiter. Genau darüber ärgerte ich mich die ganze Fahrt. Wie kann man nur so blöd sein?

Am Abend des gleichen Tages, ungezählte Pässe, mehrere Stunden und hunderte Kilometer weiter traf ich die Africa Twin Fahrerin unerwartet wieder. Das Schicksal hatte mir offensichtlich eine zweite Chance gegeben sie anzusprechen. — Ich lernte Adelmut kennen. Seitdem fahren wir zu zweit durch die Gegend und ich fahre wieder ein vielfaches Motorrad im Vergleich zu früheren Zeiten.

Gerade hatte ich Adelmut kennen gelernt und gleich am nächsten Tag passierte es. Wir wollten über den Colle delle Finestre und die Assietta fahren — Ja, eine Capo Nord ist hierfür prima geeignet. Man braucht keine hardcore Enduro — als mich die Capo das erste mal im Stich ließ. Im Jahr darauf fuhr ich mit Adelmut nach Polen mit dem Ziel ins Baltikum weiter zu fahren. Wir fuhren durch die Hohe Tatra, durch Masuren und kurz danach ließ mich meine Capo wieder im Stich. Die Elektronik hatte Macken und das Motorrad fuhr zunächst nur noch, wenn man das Licht ausschaltete und die Drehzahl über 3000 U/min hielt. Kein Zustand. Zweimal ging sie mir auf dieser Tour beim Überholen bei Gegenverkehr einfach aus. Lastwechsel waren schwer berechnbar geworden. Und dann zog mich auch noch die Polizei heraus, um mir mitzuteilen, dass ich ohne Licht fuhr. Derartige Probleme kannte ich von meiner Africa Twin nicht.

Es kam eine klare Ansage von Adelmut: “Wenn Dein Bike nochmals liegen bleibt, dann lasse ich Euch stehen!”. Okay. Eine klare Ansage. Aber niemand hatte behauptet, dass es leicht werden würde. Zurück in München hat dann auch die zweite Aprilia Werkstatt aufgegeben, meine Capo Nord zuverlässig zu reparieren. Adelmuts Ansage im Ohr, war es dann Zeit für eine Neue.

Das Revival der Enduro

Nach dem Sand in Masuren und Schotterpisten in den Alpen war eines klar: es sollte wieder eine Enduro sein. Eine richtige Enduro, eine Reiseenduro und nicht nur ein hochbeiniger Tourer. Da kam eigentlich nur die KTM 990 Adventure in Frage.

Die Liebe zum Motorrad    Eine BiografieIm Frühjahr 2011 war es soweit. Eigentlich war es mir klar, dass es eine 990 Adventure sein muss. Also probefahren. Lustig ist nur, was mich an die Marke KTM gebunden hat. Aus Interesse und von dem Aprilia Sporttourer kommend, gefiel mir die 2011 neu aufgelegte KTM 990 SM/T, ein sehr sportlicher Tourer mit Supermoto-Genen, die ich zunächst Probe gefahren bin. Das Bike passte wie ein Turnschuh. Wollte ich doch eigentlich mit dem mir nicht bekannten Bike vorsichtig fahren, war ich schon sehr erstaunt, wie knapp die Fußrasten plötzlich über dem Teer der Serpentinen hinunter nach Schäftlarn ihre Kreise zogen. Adelmut fand das Bike ebenfalls “sexy” — es sei aber halt auch keine Africa Twin. Also siegte die Vernunft und ich kaufte die KTM 990 Adventure.

Die Liebe zum Motorrad    Eine BiografieNur welches Modell soll es denn werden? Da gab es die 990 Adventure mit serienmäßigem ABS, die 990 Adventure  R ohne ABS dafür aber mit höheren und geländegängigeren Federbeinen und das vergriffene Sondermodell “Dakar” das in gewisser Hinsicht eine Mischung aus beidem war. Sie hatte ABS und das R-Mapping. Ich hätte noch eine Dakar aus Österreich importieren können, was mir aber dann doch als umständlich erschien und schließlich war ich mit dem Blau des Sondermodells uneins. Also doch die “R”. Schwarz ist cool. “Du wirst Dir doch kein neues Bike ohne ABS kaufen!?” tönte es von allen Freunden. Die Antworten “Warum, ich bin doch noch nie mit ABS gefahren?” und “Im Gelände schaltet man das doch ohnehin ab.” ließ niemand gelten.

Schlussendlich war die Entscheidung einfach. Seit 2009 unterscheiden sich die Zylinderköpfe der 990 nicht mehr von der 990R, was ein guter Kontakt in Mattighofen schließlich bestätigte. Damit unterscheiden sich die Motoren nur durch das Mapping. Also eine 990 Adventure in Weiß gekauft, das R-Mapping eingespielt, die zusätzliche Leistung in die Papiere eingetragen, Tourenpaket mit Koffern und Ergo-Sitzbank dazu und schon hat man so etwas wie eine individualisierte “Dakar” nur eben in Weiß und nicht in Blau. Passt!

Gerade habe ich beschrieben, wie irrational Motorradfahren ist. Wer braucht schon 115 PS bei einer Enduro. Wer schnell fahren will kauft sich doch ohnehin eine Straßenmaschine. Das R-Mapping war eigentlich ein großer Quatsch. Adelmut würde wohl sagen “eine männliche Ego-Sache”. Ich weiß es nicht. Ich brauche die 115 PS, damit ich es schaffe, hinter Adelmut mit ihrer Africa Twin herzukommen. Aber nun einmal Spaß bei Seite. Die R ist meines Erachtens bissiger und direkter in der Gasannahme. Manchmal habe ich das Gefühl, das Motorrad spürt schon vor mir, dass ich Gas geben möchte. Wer der eher Africa Twin gleichen sanften Gasannahme der KTM 950 Adventure nachtrauert, sollte eher auf das R-Mapping verzichten. Ich sage das nicht weil ich so cool bin und das alles beherrsche, sondern vielmehr weil auch meine KTM und ich einige Zeit gebraucht haben zusammen zu wachsen. Neben der deutlich sportlicheren Sitzbank der KTM war auch die insbesondere unter 3000 U/min teilweise recht ruppige und direkte Gasannahme ein Thema. Beim ersten Ausflug ins grobe Schotterbett einer abgelassenen Talsperre dachte ich das Motorrad springt mit mir über die Felsen. Erst später lernte ich das Gas ruhiger zu führen. Eine 950 Adventure oder insbesondere auch eine Africa Twin hätten mich nicht vor solche Rätsel gestellt. Mit der Sitzbank ist es ebenso. Wir haben uns aneinander gewöhnt. Wer nachgegeben hat, die Bank oder mein Gesäß, ist mir immer noch nicht klar. Das schnellste Sofa, das ich je gefahren habe, bleibt einfach doch die Capo Nord.

Dieses Jahr (2011) bin ich ca. 14.000 km mit der KTM gefahren. Was soll ich sagen? In der Zwischenzeit liebe ich dieses Bike und möchte derzeit auch gar kein anderes.

Herzliche Grüße
Euer Friedbert

Die Liebe zum Motorrad    Eine Biografie

9 Gedanken zu “Die Liebe zum Motorrad — Eine Biografie

  1. Pingback: Die Liebe zum Motorrad -- Eine Biografie | Friedberts Motorradtouren

  2. Hallo lieber Friedbert,
    eine wunderschöne Liebeserklährung an Dein Motorrad.
    Guter Text. Freue mich über Deine Biografie.
    Weiterhin wünsche ich Dir einen großen Schutzengel, der auf Dich aufpaßt.
    Gruß Ma.

  3. Dank meines Vaters, der noch in alten Fotoalben gekramt hat und doch noch ein Bild gefunden hat, kann ich Euch nun doch noch meine Honda MBX 80 präsentieren.
    Danke Pa!
    Gut zu sehen ist auch die damals typische Sicherheitskleidung.

  4. Hallo Friedbert,
    schöner Bericht über deine Mopeds. Kleine Frage am Rande: was ist das für eine Nummernschildhalterung an der blauen Capo? Ich habe auch eine Capo und würde gerne das Heck ein wenig ändern. Sieht ja doch etwas sperrig aus.
    Danke im vorraus.
    Thomas J.

    • Hallo Thomas,
      ja, die Capo ist ein schönes Motorrad. Ich bin sie (vor allem auf Asphalt) immer sehr gerne gefahren!
      Das Heck war eigentlich (mit ausnahme eines LED Rücklichts) nicht modifiziert und das Nummernschild war einfach auf den oberen Teil des hinteren Schutzblechs geschraubt – ganz ohne zusätzlichen Halter. Den längeren Spritzschutz der Capo habe ich nie verbaut, so dass das Heck vielleicht ein wenig höher wirkt.
      Herzliche Grüße
      Friedbert

  5. Hallo Friedbert
    Toll geschrieben und kurzweilig zu lesen.
    Viele der von Dir beschriebenen Strecken kenne ich noch aus den 80igern.
    Ich bin damals mit der Marke JEEP unterwegs gewesen.
    Seit zwei Wochen steht nun auch bei mir eine Adventure in der Garage.
    Und sogleich tauchen Strassen und Pässe im Piemont schemenhaft aus den Erinnerungen auf.
    Ich fahre seit meiner Jugendzeit Motorrad.
    Die bei uns in der Schweiz damals gesetzlich vorgeschriebenen zwei Jahre 125 ccm Frist habe ich auf einer Yamaha DT abgesessen.
    Später musste es dann eine XT sein.
    Aber irgendwie war das nichts für “richtige” Männer :-)
    So kaufte ich mir irgendwann dann eine LC4 KTM.
    Aber was soll ich sagen, irgendwie wird man älter und empfindlicher.
    Was vor einiger Zeit noch undenkbar gewesen wäre ist nun Realität.
    Ich fahre eine grosse Enduro mit Koffern, Topcase und einem Navi (Zumo 660)
    Und wer weiss, wenn es in dem Tempo weiter geht, kaufe ich mir bald noch einen Klapphelm mit Intercom.

    Scherz beiseite…
    Ich bin von der KTM 990 Adventure begeistert. Bereits nach wenigen Metern hatte ich den Eindruck, ich sei noch nie ein anderes Motorrad gefahren.

    Wenn Du mal auf einer Tour durch die Schweiz kommst, lass es mich wissen.
    Die erste Runde geht auf mich.

    Kennst Du unsere Club Seite?
    http://www.ktm-adventure.ch

  6. Hallo Friedbert,
    kann mich meinen Vorschreibern nur anschließen. Bist einer der wenigen, denen es gelingt, Ihr Bereichte so interessant und sympathisch zu verfassen das man nicht aufhört zu lesen – Toll, wünschte ich könnte das auch !
    Wie komme ich auf Deine Seite ? Ich befasse mich gerade intensiv damit ein Zumo 660 anzuschaffen, nebst allem notwendigen Zubehör. Und schwupp war ich hier. Gott sei Dank; bei weitem nicht so wie Du mit Navis und sonstigem “elektronischen” Kram vertraut, ist es mit Sichheit hilfreich auf eine solch extrem ausführliche Ratschlag-Ansammlung zurückgreifen zu können. Vielen Dank dafür.
    Zumal für mich noch ein anderes Problem wartet. Ich lebe auf den Philippinen und muß mir noch eine zusätzliche Software mit der Philippinen Map besorgen. Ich denke (und vor allen Dingen hoffe), das ich mit der von roadguide.com angebotenen Map eine gute Wahl getroffen habe, obwohl ich sie noch nicht habe.
    Nebenbei bemerkt bin ich hier ebenfalls an einer KTM hängengeblieben, und zwar an der 990er SUMO, Bj. 2008. Die Unvernunft hat gesiegt, die 990 Adventure wäre die vernünftigere Wahl gewesen….. aber ich habe mich, genauso wie Du, halt verliebt, und…seit wann ist Motorradfahren vernünftig ??

    Alles Gute für Deine weiteren Trips mit Adelmut und Deiner Adventure

    Viele Grüße Martin

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